Geschichte
Arthur Kirsten stammte aus Borna und hatte gerade seine Frau Martha geb. Gutsche, geheiratet, als er 1900 in Pulsnitz das ehemalige Café von Max Rüdrich übernahm. Das Grundstück befand sich auf der damaligen Bischofswerdaer Straße 214, Ecke Kamenzer Straße (heute Wohnhaus und Ausstellung von Zweiradservice Wolf), Eigentümer war der Wagenbauer A. Dimler. Dem Zug der Zeit entsprechend entstanden neben der Konditorei noch eine Weinstube und ein Wiener Café, hier konnte der Gast bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein in aller Ruhe die neuesten Zeitungen lesen. Die Familie Kirsten hatte aber ein Problem: In dem Eckhaus hatten nur der Laden und die Gasträume Platz. Die Backstube lag über den Hof in der Nähe der jetzigen Fahrradwerkstatt. Sämtliche Backwaren und Speisen mussten bei Wind und Wetter über den Hof getragen werden. Dazu kam, dass über den Hof nicht nur die Anlieferung und Abholung für die Wagenbauerei erfolgte, sondern auch für die Töpfereien B. Jürgel und H. Sperling, die in den Hinterhäusern der Kamenzer Straße ihre Töpfereien hatten, wobei die Zufahrt über die Bischofswerdaer Straße erfolgte. Um 1910 konnten Kirstens in der Nachbarschaft das Grundstück Kamenzer Straße 207, heute Wettinstraße 16, kaufen. Es gehörte vorher dem Schneidermeister Hermann und musste nun mit viel Aufwand zu einer Konditorei mit Café und Weinstube umgebaut werden, natürlich mit Backstube im Haus. Nach den schweren Zeiten der Inflation ging das Geschäft um 1927 wieder besser und Familie Kirsten baute die erste Etage zu einem Familiencafé um. Der große Raum bekam einen Balkon zur Straße, der Zugang erfolgte über eine schmiedeeiserne Wendeltreppe im Ladenraum. Familie Kirsten hatte vier Kinder, suchten aber per Annonce in einer Fachzeitung nach einem Konditormeister. Es meldete sich unter anderen Konditormeister Fritz Stör aus Dillingen. Im Jahr 1938 heiratete Fritz Stör Kirstens älteste Tochter Lotte. Zuvor erfolgte 1936 ein vollkommener Umbau des Gebäudes zu seinem jetzigen Aussehen. Die Caféstube in der ersten Etage entfiel, wahrscheinlich entsprach die enge Wendeltreppe nicht mehr den Anforderungen. Dafür wurde im Erdgeschoß die rechte Hausseite als Café und Weinstube eingerichtet. Es wurde ein beliebter Treffpunkt der gehobeneren Gesellschaft. Dazu trugen nicht zuletzt das Aussehen und Auftreten der Familie Stör bei. 1939 starb Arthur Kirsten und Fritz Stör wurde zur Wehrmacht eingezogen. In der Kriegszeit führten Martha Kirsten und Lotte Stör die Konditorei mehr schlecht als recht weiter. Mit schweren Verletzungen kehrte der Konditormeister aus dem Krieg heim und betrieb mit seiner Frau die Konditorei bis 1966 weiter. Eine nicht leichte Aufgabe, mangelte es doch an allem. Dazu kam, dass die Privatwirtschaft der Obrigkeit ein Dorn im Auge war. Es muss dazu ehrlicherweise gesagt werden, dass es damals auch Kommunalpolitiker gab, die zwar „stramme Kommunisten“ waren, aber erkannt hatten, das die vollkommene Verstaatlichung der Handwerksbetrieb und Geschäfte zu Chaos in den kleinen Kommunen führen musste. Zu diesen Bürgermeistern gehörte auch Hans Mechelk. So konnte 1967 der junge Konditormeister Manfred Hübner mit seiner Ehefrau das Geschäft übernehmen. Manfred Hübner stammt aus Ostritz bei Görlitz und hatte eine Lehre in der Konditorei Kluge in Radeberg zu DDR-Zeiten das erste Haus am Platz absolviert. Frau Hübner, gelernte Kindergärtnerin, machte, als der Umzug nach Pulsnitz feststand, noch schnell eine Umschulung in der Görlitzer Großbäckerei. In den ersten Jahren wohnten sie in einem kleinen Zimmer der ehemaligen Caféstube neben dem Laden. Erst mit der Drohung, Pulsnitz wieder zu verlassen und der Einschaltung des Bürgermeisters wurde eine Wohnung in der ersten Etage freigeräumt. (Die Vergabe der Wohnungen bestimmte nicht der Hausbesitzer, sondern das Wohnungsamt der Stadt). 1974 verkaufte Lotte Stöhr das Haus an Familie Hübner und so konnten Letzter in Haus und Geschäft investieren. Nach der Wende entstand auch wieder eine gut besuchte Caféstube im Ladenbereich, Semmeln und Brot erweitern das Angebot. Allerdings fielen mit dem Umbau der Wettinstraße und der Schaffung einer Rechtsabbiegerspur die bisher vorhandenen Parkmöglichkeiten vor der Konditorei weg. Man sprach schon von einem Ende der Konditorei – aber Qualität setzt sich durch. Manfred Hübner und Frau sind unterdessen im Ruhestand und Sohn Stefan Hübner führt die Konditorei mit Café weiter.
